Momentaufnahmen aus dem Zoo Berlin vom 29.10.25 – Teil 1

13.11.2025 von Anke B

Das Wetter der letzten Tage hatte ständig gewechselt zwischen dunkel, windig, kalt, regnerisch und dann wieder strahlend schön, mit Sonnenschein und milden Temperaturen. An diesem Tag schien die Sonne, der Himmel war blau wie ein Rotkehlchenei und die klare Luft roch würzig nach dem verrottendem Laub, das in den letzten Tagen gefallen war. Wenn man nicht zu genau hinsah, wirkte die Stadt wie frisch gewaschen, die Fenster in den Hochhäusern der City West spiegelten das Sonnenlicht.

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Wir wollten das gute Wetter nutzen und fuhren in den Zoo, der, da Herbstferien, mitten in der Woche gut besucht war; auch einige höchst lebendige Kita Gruppen machten sich mit hellen Stimmen vom Eingang aus auf den Weg.

Die Elefantenkühe Carla, Pang Pha und Anchali standen erst zusammen vor dem Haus, liefen dann aber auseinander und verteilten sich auf der Anlage. Alle drei sammelten Laub mit ihren Rüsseln und wirkten wie übergroße Staubsauger. Anchali stieg zu diesem Zweck sogar in das nun leere Badebecken und säuberte die oberen Ränder.

Anchali

Anchali

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Pang Pha

Pang Pha

Giraffenbulle Mugambi, der seit dem Tod von seinem Kumpel Max allein auf der Anlage steht und mir deswegen sehr leid tut, soll Gerüchten nach bald wieder Gesellschaft bekommen, was ich begrüßen würde und kaum erwarten kann.

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Wir gingen um die Elefantenanlage herum und besuchten Drumbo, die seit dem Tod von Viktor einen etwas gedämpften und traurigen Eindruck macht.

traurige Drumbo

Sie steht nur zeitweise mit den drei anderen Elefantenkühen zusammen, weil sich die Damen manchmal nicht grün sind und es Rangstreitigkeiten gibt. Auch Drumbo schien Geschmack an dem auf dem Boden liegenden Laub gefunden zu haben, kniete sich sogar vor den Graben, um eine große Menge auf einmal mit dem Rüssel heraus zu schaufeln und dann portionsweise zu fressen.

Drumbo

Die Flamingos gegenüber befanden sich wegen der Vogelgrippe bereits in ihrem Winterquartier. Man konnte sie durch die großen Scheiben des Hauses von außen sehen und bei dem schönen Wetter nur bedauern.

Wir kehrten um und gingen ins Affenhaus. Zuerst besuchten wir die 68 jährige Gorilladame Fatou, der es draußen offenbar zu kalt war. Sie saß, mit dem Rücken an die Wand gelehnt, rechts hinter der Scheibe und wirkte etwas müde. Mir fiel in der letzten Zeit auf, dass sie öfter den Unterkiefer hängen lässt, was ihr einen erschöpften Ausdruck verleiht. Sie ist inzwischen so alt, dass man quasi jeden Tag damit rechnen muss, dass sie uns verlässt. Ich hoffe aber, dass sie noch eine Weile bei uns bleibt, von den Pflegern verwöhnt, ohne Schmerzen und weiterhin mit gutem Appetit. Ich winkte und warf ihr Luftküsschen zu, was sie gleichmütig ignorierte.

fatou2

Sango, der Silberrücken nebenan, hatte sich in die runde „Hängematte“ in der Mitte des Innengeheges gesetzt und schien ein wenig ermattet vom Familienleben zu sein. Besagte Familie, bestehend aus den drei erwachsenen Weibchen Mpenzi, Bibi und Djambala und Jungtier Tilla, tummelte sich und spielte miteinander im hinteren Bereich auf der linken Seite. Sango guckte grimmig und wirkte genervt. Er wollte ganz eindeutig seine Ruhe haben.

sango2

gorillafamilie

Wir gingen an den leeren Innengehegen der Orang Utans vorbei, nach dem Tod von Mano und Bini ein sehr trauriger Anblick. Bulan und die beiden Siamangs, die nun dort leben, befanden sich draußen. Den Schimpansen war es draußen zu kalt und sie hingen drinnen ab.

Im Tropenhaus passierten wir auf dem Weg zu Kappengibbon Kaspar, der zu meinen Lieblingen gehört, die Kapuziner, die miteinander kabbelten und die Eulenkopfmeerkatzen Familie, die ebenfalls einen munteren Eindruck machte, wo mir aber kein einziges scharfes Foto gelang. Kaspar turnte und sang in seinem Gehege und wirkte für seine 54 Jahre noch erstaunlich gelenkig und fit, worüber ich mich sehr freute.

Kaspar

kappengibbon Kaspar

Kapuziner

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Die Zwergseidenäffchen, für die gegenüber alle kleinen Gehege im Tropenhaus freigemacht, neu gestaltet, bepflanzt und miteinander verbunden wurden, haben Zwillingsnachwuchs, der so winzig ist, dass man jedes Mal alle Gehege ablaufen und mit den Augen ganz genau absuchen muss, wenn man sie entdecken will. Aber süß und possierlich, wie sie sind, lohnt sich die Mühe. Sie sind so flink, dass es (für mich!) fast unmöglich ist, sie zu fotografieren.

Wir verließen das Haus und besuchten die Familie der Riesenpandas gegenüber. Die Zwillinge Leni und Lotti scheinen feste Gewohnheiten und feste Lieblingsplätze zu haben. Eine von ihnen lag wieder schlafend auf dem großen Holzpodest auf der Außenanlage.

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Während wir sie beobachteten, wachte sie auf, kletterte etwas tolpatschig nach unten und lief gemächlich in das Haus. Der andere Zwilling lag, relativ unbequem eingeklemmt, auf einem Gestell aus künstlichen dicken Bambusstangen mit Holzsteg dazwischen direkt hinter der Scheibe. Das ist offenbar ihr Lieblingsplatz, auf dem sie bei unseren letzten Besuchen immer zu finden war. Dort hoch und wieder ´runter zu kommen, ist für einen kleinen dicken Panda nicht so einfach und wir haben uns über ihre drolligen Kletterversuche schon köstlich amüsiert.

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Das wollten außer uns auch ganz viele andere Besucher und es wurde langsam eng vor der Scheibe. Wir gingen weiter zum „Haus des Jägers“.

Auf dem Weg dorthin leuchtete ein noch voll belaubter Ginkgo Baum gelb-orangefarben in der Sonne, genauso strahlte das Rot der Zaunumfassung der Panda Anlage und des chinesischen Pavillons und die glasierten grünen Ziegel des zweistufigen Dachs mit zierlichem Türmchen. Die Fontäne des Seelöwen Springbrunnens sprühte glitzernde Tropfen nach allen Seiten und das bunte Laub der Bäume, die noch welches hatten, sah einfach nur schön aus.

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Einer der beiden indischen Pandas in Bao Baos – und danach Malaienbärin Maikas – ehemaligem Gehege saß beim Näherkommen sehr fotogen auf einem Ast, war aber leider schon auf dem Rückzug, bis ich das Smartphone gezückt hatte. Ich erwischte ihn nur noch von hinten. Ich hatte dieses Jahr auf Nachwuchs gehofft, leider vergeblich.

indischer panda

Im Haus gingen wir an den schlafenden Margays, Ozelot ähnlichen Katzen vorbei und entdeckten Mutter und ihr niedliches Kind bei den Schmalstreifen Mungos. Auch sie waren flott unterwegs und schwer zu fotografieren.

Schmalstreifenmungo mit Kind

schmalstreifenmungo mit Kind

schmalstreifenmungokind

5 Comments

  1. Liebe Anke!
    Danke für den detaillierten Bericht. Ich freue mich sehr Fatou zu sehen. Sango sieht lustig aus in der Hängematte.
    Die Pandazwillinge sind groß geworden.
    Hugs
    Ludmila

  2. Liebe Anke,
    dein ausführlicher und liebevoll geschilderter Rundgang durch den Zoo war wie immer ein pures Vergnügen !
    Dazu gehören die gut beobachteten Protagonisten ebenso, wie Veränderungen in den Anlagen oder scheue Models und schöne Naturbeschreibungen.
    Ja du hast Recht, jeder Besuch bei Fatou kann auch der Letzte sein. Wir haben schon von vielen Tierpersönlickeiten Abschied nehmen müssen….
    Aber heute war sie da und zeigt halt neuerdings eine Schnute, egal aus welchem Grund.

    Dir ganz lieben Dank für den heutigen Bericht mit vielen Grüßen
    Britta-Gudrun

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