Schlösser-Tour am Main

23.11.2023 von Chris

Der Main zwischen Offenbach und Aschaffenburg – Die Radtour zu fünf Schlössern und einem Kloster auf 45 flusskilometern am Main

Das Pendant zur Hohen Strasse finden wir im Tal an den Ufern des Mains, mit weniger Übersicht, aber nicht minder schönen Ausblicken. Fast hinter jeder Flußbiegung bietet sich ein neues Bild. Und von Offenbach bis Aschaffenburg finden wir nicht weniger als fünf Schlösser an den Ufern der Lebensader Untermain. Machen wir einen kleinen Abstecher zum Isenburger Schloss in Offenbach. Dazu fahre ich von Bergen über Enkheim rüber nach Fechenheim und auf die andere südliche Mainseite. Dort in der Mainstrasse findet unter alten Platanen auch der berühmte Flohmarkt statt, der beinahe schöner, aber auf jeden Fall uriger und weniger kommerziell, als der Franfurter ist.

Das Isenburger Schloss ist im Rennaisance Stil erbaut und man kann noch Einschläge von Kanonenkugeln an der Aussenseite sehen. Von dort sind es nur ein paar Meter bis in den Mainbogen, wo das Naturschutzgebiet Schultheissweiher beginnt. Ein Refugium für Vögel und andere Wassertiere, nur ein kleiner Teil ist im Sommer zum Baden freigegeben. Aber auch am Main sollte man immer die Augen offen halten. Ob es nun die Reiher oder Komorane sind, ein Eisvogel, der vorbeihuscht oder Nutria und Biber (von der Kinzig her eingewandert). Es gibt an diesem Gewässer mit der Güteklasse 2 erstaunlich vielfältiges Leben und die kommenden Kilometer sind nun auch immer sehr naturnah und grün, den Hochwasserzonen sei Dank. Die Straßen und Orte liegen immer etwas entfernt und höher.

Zuerst passieren wir das Rumpenheimer Schloss, welches noch zu Offenbach gehört. Hier gibt es Wohnungen und Ateliers. Im Spätsommer wird ein Künstlermarkt abgehalten mit einem Tag der offenen Galerie, bzw. des offenen Ateliers. Es folgen ausgedehnte Auenlandschaften mit Wiesen und Feldern und manchmal sogar Wald bis an den Fluss, wie nach dem Mühlheimer Ruder- und Kajakverein oder Dietesheim an der Schleuse. Inzwischen haben wir auch zwei Fähren passiert.

Schloss Hanau Phillipsruhe vom Park aus gesehen (Westen)

SchlossHanauPhilipsruhe

Die nächsten Brücken kommen erst wieder in Hanau, vorher sehen wir das barocke Schloss Phillipsruhe (ein historisches Museum, ein Papiertheater und ein weitläufiger Park wären das Ziel für einen anderen Ausflug). Dann passieren wir den Hafen (zweitgrößter am Main nach Frankfurt) und sind schon in Steinheim, wo das nächste Schloss auf dem Berg über der scharfen Biegung trohnt. Auch hier gibt es ein Museum, einen Burggarten und zudem eine wunderbar verwinkelte Altstadt mit vielen Lokalen. Eines davon direkt am Main, da lässt es sich gut pausieren: die halbe Strecke nach Aschaffenburg ist nun geschafft!

Schloss Steinheim

Schloss Steinheim Mit Altstadt Und Main

Übrigens kann man die Schlössertour auch mit dem Schiff auf dem Main machen. Mehrere Reedereien in Frankfurt bieten den Spaß in den warmen Monaten an. Weiter geht es über Klein-Auheim mit dem Blick auf das Hochufer von Groß-Auheim und seinen drei wunderschönen Kirchen, Richtung Hainburg vorbei an unserem Stromlieferanten Kraftwerk Staudinger Großkrotzenburg: nicht zu übersehen mit seinen beiden riesigen Kühltürmen und Schornsteinen. Hier wird Steinkohle aus Südafrika oder Kolumbien verfeuert, die per Schiff über Rotterdam und Duisburg direkt im kraftwerkseigenen Hafen landet.

Das nächste Highlight hinter einer weiteren langgezogenen Flussbiegung ist das Kloster und die Basilika Seligenstadt. Die Klostergebäude brauchen sich hinter den Schlössern kaum zu verstecken: es gibt einen weitläufigen Garten und eine schöne, verwinkelte Altstadt. Der Italiener mit dem besten Eis hat seinen Standort direkt an der Fähre. Auf der anderen Seite sehen wir jetzt schon bayerisches Ausland und die ersten Spessartausläufer mit Weinbergen (sehr guter trockener Frankenwein). Das letzte Stück auf hessischem Gebiet ist weniger spektakulär: Zellhausen und Mainhausen mit renaturierten Baggerseen (Kies wurde hier überall abgebaut).

Kloster Seligenstadt

Leukel_Kloster_Seligenstadt-1

Der Main hat im Laufe der Jahrhunderte viel zermahlenen Sandstein aus dem Spessart gespült, die berühmten roten Mainkiesel. Auch in vielen alten Häusern der Region findet sich der rote Sandstein, wie wir gleich sehen werden. Wir müssen noch Stockstadt passieren, wo Bayern beginnt, dann empfängt uns das Aschaffenburger Schloss, welches hoch über dem Main trohnt, ganz in rot, komplett aus Sandstein gebaut. Aber auch in Seligenstadt, Hanau, Offenbach oder am Höchster Schloss in Frankfurt und vielen Bürgerhäusern oder Kirchen der Region können wir diesen Baustoff finden, der früher auf getreidelten Schiffen den Main herunter kam.

Aschaffenburg hat neben dem alten Schloss etwas abseits der Route noch den Nilkheimer Park und das Lustschloss & Park Schönbusch zu bieten. Auch das Pompejanum, erbaut vom älteren König Ludwig, ist sehenswert (direkt neben dem Schloss), hier gibt es sogar Wein am Rande der Stadt. Die Aschaffenburger Mainschleife ist dafür klimatisch besonders begünstigt. Übrigens gehörte Aschaffenburg früher zu Mainz, weshalb hier auch nicht fränkisch sondern eher eine Art hessisch gesprochen wird. Es gibt, wie in Steinheim oder Frankfurt, Apfelwein: für Nichthessen ein sehr gewöhnungsbedürftiges saures Gesöff. Ich ziehe ein gutes Norddeutsches Bier allemal vor. Die Rückfahrt wäre jetzt mit der Bahn oder dem Schiff möglich, aber wenn es die Waden noch zulassen, auch per Rad.

Aschaffenburg

aschaffenburg

Auf dieser Radtour gilt: Von Offenbach bis Aschaffenburg nur durchgehende Radwege, kein Autoverkehr, lediglich einige Brücken sind zu unterqueren. An jeder Schleuse ist prinzipiell ein Wechsel der Flußseite möglich (Radstege), doch empfiehlt sich die südliche Seite (linksmainisch), da auf der anderen Seite Häfen, bzw. ein großes Kraftwerk zu umfahren wären. Man kann aber z.B. an der Schleuse Dietesheim die Seite wechseln, Phillipsruhe besuchen und dann wieder vor dem Hanauer Hafen die Mainbrücke nehmen um nach Steinheim zu gelangen.

Pompejanum

pompenajum

Das Isenburger Schloss liegt am Mainkilometer 42, das Aschaffenburger an Kilometer 87. Zu radeln sind also immerhin 45 Flusskilometer, fährt man beide Strecken 90! Eine gute Kondition und ein ordentliches Rad sollte man also schon besitzen. Es sind natürlich jederzeit Teilstrecken möglich. Allein die Route bis Seligenstadt ist dabei sehr lohnend!

AUSFLUGSTIPPS-OFFENBACH

OFFENBACH & RUMPENHEIM

Offenbach hat keine eigene Web-Seite für seine Schlösser

SCHLOSS STEINHEIM

KLOSTER SELIGENSTADT

ASCHAFFENBURG

POMPEJANUM

SCHÖNBUSCH

schönbusch

13 Comments

  1. Dear Chris!

    What a fantastic tour! I had no idea there are so many castles in that area. The route is very long but certainly worth biking – if you have condition and energy!! 🙂

    Thank you for inviting to bike with you!

    Hugs from Mervi

    • MERVI – there are more Castles, like the Höchster Schloss or Schloss Phillipsruhe in Hanau. This is a very old region of culture. Frankfurt was the “Freie Reichsstadt”, so there is no castle: but the German Kaiser always was crowned here. After the religion wars in France the cities here took many people from Wallonie and France (protestants). There was no one country Hessen. We had Hessen-Darmstadt, Hessen-Nassau, Hessen-Kassel and so on: each region had is own Fürst and many castles of all ancient times…

  2. Hallo Chris,
    eine 45km lange Radtour radelst du wahrscheinlich an einem Tag ab, aber für die Besichtigung der Schlösser dürfte es mehr Zeit benötigen.

    Vielen Dank für die vielfältigen Schlossansichten aus deiner Region!

    • Natürlich kann man nicht an einem Tag alle Schlösser besichtigen. Aber da ich in der Region wohne, kenne ich die Lokalitäten von diversen Touren. Es sind, wie ich ja sagte, jederzeit auch Teilstücke möglich, oder man verbindet es als Tourist mit Übernachtungen und macht eine zwei/drei-Tage-Tour daraus. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

  3. Liebe Chris

    Was für eine herrliche Radtour.
    Ob die 45 Kilometer viel sind, hängt für mich davon ab, ob Du am selben Tag zurück gefahren bist. Allerdings gibt es so viel zu sehen, dass man diese Tour eher teilt.

    Es gibt so viele Schlösser in der Umgebung und alle laden sie ein, sie zu besichtigen. Meist haben solch´ edle Häuser auch Gärten oder Parks, die es ebenfalls angesehen werden wollen.
    Aschaffenburg kenne ich. Alle anderen Stops kannte ich noch nicht.

    Wenn ich solche Bilder sehe, denke ich immer, wie schön es doch bei uns in Deutschland ist.

    Danke, dass ich mitradeln durfte.

    Liebe Grüße,
    Anita

    • Natürlich kann man das nicht alles an einem Tag besichtigen. Es geht ja auch um die Tour an sich und das Natur-Erlebnis. Wie gesagt, Teilstrecken sind jederzeit möglich. Oder man steuert ein Objekt konkret an, wenn man hier wohnt. Ein Grund mehr, die Tour öfter zu machen. Als Tourist kann man die Strecke teilen und übernachten: überall gibt es nette kleine Hotels und Gasstätten zum einkehren. Oder man bewältigt zumindest eine Strecke mit dem Schiff, was sehr lohnend ist…der Möglichkeiten sind gar viele!

  4. Dear Chris, thank you for taking us on your biking tour. I love these pics of the castles and like Anita said: it is beautiful in Germany. But you are right, there is the tour of the castles and the tour in nature, and all this can be split up in parts. I really envy your possibility of doing this, but I am hoping that, pending weather conditions (of course), you will bring us further reports of your biking adventures. In all honesty, I always loved it when you told us about the animals you were meeting during your biking. I do not know how feasible it is to take a camera with while biking. But if possible, that would be great.

    • Meistens ist mir fotografieren zu anstrengend. Ich behalte die Bilder lieber im Kopf. Fahren, anhalten, beobachten, auch mal absteigen: das reicht mir eigentlich, um die Natur oder Baudenkmäler auf mich wirken zu lassen. Fotografieren können andere Leute besser, das ist nicht mein Metier… 🙂

  5. Liebe Chris!
    Danke für Deine Erläuterungen. Diese Tour per Rad ist sicher sehr schön, aber ich würde vermutlich eine gemütliche Schiffstour vorziehen.
    Schlösser und Burgen in exponierter Lage sind immer faszinierend und man hat bei ihrem Anblick gleich ein paar romantische Vorstellungen, u.a. gespeist von vielen (Märchen)Filmen.
    Danke für diese schönen landschaftlichen Eindrücke.

    Viele Grüße
    Anke

    • Solltest Du mal in unserer Gegend sein, so ist diese Schiffstour unbedingt zu empfehlen! Man kann Wählen zwischen einer Fahrt Frankfurt-Seligenstadt mit Aufenthalt oder bis Aschaffenburg. Die Touren werden angeboten zwischen April – Oktober mehrmals wöchentlich, inclusive Verpflegung und Getränke an Bord. 🙂 Die Schiffsfahrten starten alle am Eisernen Steg unterhalb des Römers, auf der Nordseite des Mains…

  6. THANK YOU MERVI, FOR INSERTING THE PHOTO OF SCHLOSS PHILLIPSRUHE!
    I totally forgot it and its a HUGE CASTLE: SPÄTBAROCK mit zwei
    Flügeln. Vom Park aus sieht man das Hauptgebäude, welches ein
    Museum beherbergt. Dahinter gibt es einen großen Schlosshof,
    mit Springbrunnen, breiter Auffahrt und Bronzelöwen. Zur
    Stadt hin dann der zweigeteilte Vorderflügel mit großem
    vergoldeten, schmiedeeisernen Tor a.d. Phillipsruher Allee,
    die das Schloss mit der Innenstadt verbindet. Ursprünglich
    gab es dort auch noch ein Stadtschloss, welches aber im
    2. Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde.
    Schloss und Park sind einen eigenen Ausflug wert !
    Hier finden auch die berühmten Märchenfestspiele
    statt ( Brüder-Grimm-Stadt-Hanau ) 😀

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